CH025
Lower Engadine and Swiss National Park


Year of compilation: 2008

Site description
Das IBA «Unterengadin – Nationalpark» liegt in den östlichen Zentralalpen. Es umfasst das Unterengadin von La Punt bis Martina, das Val Müstair und umliegende Bergregionen, in deren Mitte sich der Schweizerische Nationalpark befindet. Das Unterengadin zeichnet sich durch sein trockenes inneralpines Klima aus. An den Südhängen befinden sich ausgedehnte, artenreiche Heuwiesen und Weiden mit vielen Einzelstrukturen (Hecken, Strauchgehölze, Bäche, Flachmoore, Senken und Bulten usw.). Halboffene Landschaften wechseln kleinräumig mit Wäldern ab. Entlang des Inns sind längere zusammenhängende Auengebiete vorhanden. Den weitaus grössten Teil des IBAs bilden Bergregionen in und um den Schweizerischen Nationalpark, die von subalpinen Bergwäldern (vorwiegend Sekundärwälder: Fichtenwälder, Berg- und Waldföhrenwälder, Lärchen-Arvenwälder) bis zur alpinen und nivalen Stufe reichen. Der Ofenpass trennt das Engadin vom Val Müstair. Dieses von Südwest nach Nordost verlaufende Tal ist in der Ebene grösstenteils mit extensiv genutzten Heuwiesen und Weiden bedeckt. Hecken, Gehölze und Bäche unterteilen die Landschaft. Die Hänge sind bewaldet, wobei es sich um reinen Lärchenwald oder Lärchen-Fichtenwald handelt. Im Unterengadin und im Val Müstair gibt es mehrere kleine Ortschaften, die von traditioneller Landwirtschaft und vom sanften Tourismus leben.

Key biodiversity
In diesem IBA brüten viele Paare von Bergvögeln des eurasisch hoch-montanen (alpinen) Bioms: Alpenbraunelle, Mauerläufer, Alpendohle und Schneesperling. Daneben bewohnen viele Greifvögel und Eulen dieses IBA: Wespenbussard, Habicht, Sperber, Steinadler, Turmfalke, Uhu, Sperlingskauz und Raufusskauz. Zudem läuft seit 1991 in der Region des Schweizerischen Nationalparkes ein Wiedereinbürgerungsprogramm des Bartgeiers. Eine hohe Artenvielfalt (>100 Brutvogelarten68) trifft man in den Regionen mit traditionellem Landbau an, d.h. vorwiegend im Unterengadin und Val Müstair. Hier kommen wärme- und trockenheitsliebende Arten vor wie Braunkehlchen, Wiedehopf, Felsenschwalbe, Schwarzkehlchen, Sperbergrasmücke (selten), Berglaubsänger und Zippammer. Die extensiv bewirtschafteten Heuwiesen im Unterengadin gehören zu den am regelmässigsten besiedelten Rufplätzen des Wachtelkönigs. Mit 16 Rufplätzen 1999 und 40 im Jahre 2000 erreichte der Wachtelkönig die Kriteriumsgrenze von 10 in diesem IBA.

Pressure/threats to key biodiversity
Das ganze Gebiet besteht aus weitgehend natürlichen (Hochgebirge) und naturnahen (Talschaften) Regionen. Im Zentrum liegt der bisher einzige schweizerische Nationalpark. Im Nationalpark wird die Natur vor allen nicht dem Zwecke des Reservats dienenden menschlichen Eingriffen und Einflüssen vollständig geschützt und die gesamte Tier- und Pflanzenwelt ganz ihrer freien, natürlichen Entwicklung überlassen. Die Schutzauflagen werden konsequent vollzogen (z.B. Wegegebot, Zeltverbot). Den Wiesen am Südhang des Unterengadins droht bei schwieriger Bewirtschaftung entweder Vergandung oder bei leicht zugänglichen Flächen Intensivierung zum Beispiel durch Bewässerung. Ein geplantes Landschaftsschutzkonzept bezweckt deshalb die Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft im Unterengadin. Zudem gehört Tschlin zu den 50 Gemeinden, die im Netzwerk «Allianz in den Alpen» mitmachen und damit die Alpenkonvention auf kommunaler Ebene umsetzen. Das Unterengadin ist ein beliebtes Erholungsgebiet für Wanderer, Bergfreunde und Badetouristen. Der Tourismus ist bis heute sanft geblieben und es befinden sich keine grösseren Skigebiete im IBA. Die Eröffnung des Vereina-Eisenbahntunnels senkte die Reisezeit ins Unterengadin deutlich und wird die Touristenzahlen weiter steigen lassen. Mit der Biosfera Val Müstair – Parc Naziunal möchte die Region eine nachhaltige Entwicklung des Lebensraumes und der gesellschaftlichen Strukturen bewirken und dafür mit dem UNESCO-Label internationale Anerkennung erlangen. Die geplante Biosphäre deckt grosse Teile des IBAs ab.

Protected areas
Nationalpark: Schweizerischer Nationalpark: vollständig im IBA; BLN-Landschaften: Piz Arina: teilweise im IBA; Schweizerischer Nationalpark und Randgebiete: vollständig im IBA; Silvretta – Vereina: wenig im IBA; Moorlandschaften: Buffalora: vollständig im IBA; Tamangur: vollständig im IBA; Flachmoore: 10 Objekte: vollständig im IBA; Hochmoore: 1 Objekt: vollständig im IBA; Auengebiete: Il Rom Valchava-Graveras (Müstair): vollständig im IBA; Isla Glischa/Arvins/ Seglias: wenig im IBA; Lischana/Suronnas: vollständig im IBA; Ova dal Fuorn: vollständig im IBA; Panas-ch/Resgia: vollständig im IBA; Plan – Sot: vollständig im IBA; Pradatsch, Val Plavna: vollständig im IBA; San Batrumieu: vollständig im IBA; Sotruinas: vollständig im IBA; Strada: vollständig im IBA; UNESCO Biosphären Reservat: Biosfera Val Müstair - Nationalpark (geplant/planifiée): vollständig im IBA; 1914 eröffnet, wurde der Schweizerische Nationalpark von 1918-1936 sowie 1961 fortwährend erweitert. Die letzte Erweiterung fand 2000 mit den 3.6 km2 grossen Macunseen statt. Das Bundesgesetz über den Schweizerischen Nationalpark im Kanton Graubünden vom 19. Dezember 1980 schützt heute dieses Totalreservat von europäischer Bedeutung.


Recommended citation
BirdLife International (2020) Important Bird Areas factsheet: Lower Engadine and Swiss National Park. Downloaded from http://www.birdlife.org on 28/11/2020.